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Wie zwei Statuen des Künstlers Hermann Perl mit der Altoba umziehen konnten

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Altoba_thumbnail„SPARE IN DER ZEIT, SO HAST DU IN DER NOT“
sagt ein deutsches Sprichwort. Und getreu diesem Motto wurde nur zwei Jahre nach Beschluss des neuen Genossenschaftsgesetzes im Jahre 1890 der Altonaer Spar- und Bauverein (Altoba) gegründet. Eigentlich hatte die Stadt geplant, Altona in ein gutbürgerliches Wohnviertel umzugestalten. Kommt uns bekannt vor, oder? Und dann war es ausgerechnet ein „kleiner Handwerker“, der im Evangelisch-Sozialen Verein den Impuls einer Baugenossenschaft gab. Am 4. Mai 1892 gingen also 39 Männer das Wagnis ein und gründeten eben diesen Verein, die Altoba.

Fast vier Jahrzehnte später, im Jahre 1929, als Deutschlands Wirtschaft nach dem ersten Weltkrieg ein einziger Scherbenhaufen war, schuf der Keramiker und Bildhauer Otto Gottlieb Hermann Perl die beiden Bronze-Skulpturen „Spare in der Zeit“: Eine Mutter, die mit ihrem Kinde vorsorglich den Notgroschen in die Spardose steckt, dem armen Bettler, der mit seinem Hut auf seine Misere hinweist, gegenübergestellt. Sie waren ein Geschenk an die Altoba und wurden damals auf zwei Säulen direkt am Eingangsbereich des Gebäudes in der Max-Brauer-Allee 69 platziert.

Übrigens kennt ihr sicher alle wenigstens ein Werk des Künstlers Perl, nämlich die sogenannten „Tunneltiere“, die Wandreliefs, die die Wände im Alten Elbtunnel schmücken und im Zuge der Restaurierung von Keramikmeister Hans Kuretzky ganze 18 (!) Jahre lang instandgesetzt wurden.

Aber zurück zu unseren beiden Statuen: Anfang April dieses Jahres bezog die Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft dann ihre neuen Räume in der Barnerstraße. Aber was sollte aus den beiden Plastiken werden? Eigentlich könnten die doch mit umziehen, immerhin zählt das „Sparen“ doch auch zum Leitgedanken einer solchen Baugenossenschaft, oder? So einfach sollte es dann aber leider nicht werden, denn das Denkmalschutzamt Hamburg verwies darauf, dass die Werke zu dem Gebäude in der Max-Brauer-Allee 69 gehörten und genau dort verbleiben müssten!

Also entstand die Idee, die beiden plastischen Bildwerke mit dem 3D-Scan- und Druckverfahren im Maßstab 1:2,5 zu reproduzieren und wir bekamen den Auftrag, diese zu vermessen.

Im Selektiven Lasersinterverfahren (SLS) wurden die Statuen schließlich mit dem 3D-Drucker in weißem Kunststoff (PA/Polyamid) in einer Gesamthöhe von etwa 40 cm produziert und damit die Patina möglichst authentisch wirkt, bekamen sie einen ganz besonderen Anstrich:

Zunächst grundierten wir die weiße Oberfläche mit Kupfer, das dann etwa eine Stunde lang einwirkte.  Erst die Kombination mit dem zweiten Anstrich, dem Oxidatationsmedium erzielt dann den verwitterten Charakter und nach einigen Stunden Einwirkungszeit den Eindruck einer echten Grünspan-Optik.

 

Natürlich mussten wir vorher tagelang experimentieren, welches der insgesamt sieben zur Verfügung stehenden Oxidationsmedien mit welchem Metalluntergrund den gewünschten Effekt erzielt, aber es hat sich gelohnt und die beiden 3D-Replikate stehen nun im Eingangsbereich des Altonaer Spar- und Bauvereins in der Barnerstraße 14a in Ottensen. Schaut es euch doch einfach mal live an, wenn ihr auf der Ecke seid.

Wir bedanken uns bei Holger Priess, der die Koordination des Projekts vorgenommen hat und natürlich auch bei der Altoba und freuen uns, dass alle vom Ergebnis so begeistert sind wie wir selbst.

Hermann Perl Altoba

Altoba Altonaer Spar- und Bauverein Hermann Perl

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