HAPTOGRAFIE

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DIGITALE RESTAURATION HISTORISCHER WERTE

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THUMBNAIL_BruchsalWERTE MIT DIGITALER RESTAURATION ERHALTEN
Mit 3D-Scannern werden historische Skulpturen vermessen, konserviert und können über virtuelle 3D-Wiedergabe oder -Druck fast nahezu jeder Person weltweit zugänglich gemacht werden.

KUNST FÜR ALLE
Kann sich wirklich jeder einen Ausflug ins Museum leisten? Wieso darf man Kunst nicht anfassen und wie können wir es auch Blinden ermöglichen, Werke haptisch erfahrbar zu machen?

Zum Internationalen Museumstag, am 13. Mai 2018 waren wir im Schloss Bruchsal zu Gast und durften die 3D-Vermessung zweier historischer Skulpturen aus der Serie der VIER ELEMENTE sowie die Kopie eines Throns vorstellen. Später können 3D-gedruckte kleine Replikate im Museumsshop erworben und die Daten digital restauriert und konserviert werden.

Eine besonders große Herausforderung war es, die fast vier Meter hohen Statuen von allen Seiten zu erfassen. Die Haptografin musste dabei auf der Leiter jonglieren und mehrere Einzelscans erstellen, die später in der 3D-Software zusammengeführt wurden.

Nachdem die 3D-Scans erstellt waren, begann für uns in Hamburg die Nachbearbeitung, die sogenannte Digitale Bildhauerei. Von den 257 Jahre alten Sandstein-Plastiken LUFT und WASSER stehen inzwischen kleine Replikate im Schloss Bruchsal. Die Pendants ERDE und FEUER werden wir im September 2018 vermessen.

MakingOf_Bruchsal_4er

Zudem waren Teile des Fußes an der Figur WASSER beschädigt. Die abgebrochenen Zehen haben wir mit 3D-Software nachmodelliert und passgenau in die Fehlstelle integriert.
So geht digitale Restauration heute:

WERTE DIGITAL KONSERVIEREN
Historische Werke zu erhalten ist ein hochgestecktes Ziel, denn nicht immer können solche Kunstwerke vor dem Zerfall oder vor Zerstörung bewahrt werden. Selbst in geschlossenen Gebäuden, wie den Ausstellungsräumen und Archiven der Museen, sind solche Schätze nicht auf alle Ewigkeit vor optischen Veränderungen geschützt. So setzen immer mehr Forscher und Kunstspezialisten auf 3D-Scan-Technologie, um Artefakte über eine exakte Kopie digital zu konservieren. Als beispielsweise 2001 die über 1.400 Jahre alten Buddha-Statuen im afghanischen Bamiyan-Tal von Taliban zerstört wurden, konnten dank mehrerer Wissenschaftler anhand alter Fotografien und neuer 3D-Vermessungen mit dem sogenannten Photogrammetrie-Verfahren wenigstens Zeile des Unesco-Weltkulturerbes am Computer wieder hergestellt und so für die Nachwelt bewahrt werden. Bei Beschädigungen ist es mit digitaler Restauration möglich, Fehlstellen mit 3D-Modellierungs-Software zu reparieren.

WERTE (HAPTISCH) ERFAHREN
„Kunst sieht man mit den Augen an, nicht mit den Händen!“ werden Kinder oft bei Museeumsbesuchen ermahnt. Dabei spielt der Tastsinn auch bei Erwachsenen eine unterschätzte Rolle, wenn es darum geht, Informationen richtig einzuordnen. Das belegt auch die Bildungsforschung in Bezug auf unterschiedlichste Lerntypen. Zugang zu Kunst sollte eben nicht nur intellektuell, sondern auch emotional und sinnlich erfahrbar gemacht sein. Schule, Bildung und das Aufwachsen allgemein benötigen einen haptischen Background. Sonst funktioniert die elementarste Aneignungsform – das „Begreifen“ – nicht mehr. (Quelle: Martin Grunwald, Leiter des Haptik-Forschungslabors an der Universität Leipzig) 3D-Technik ist ein sehr wirkungsvolles Werkzeug, das es Menschen ermöglicht, Artefakte berührungslos über 3D-Rundumansichten sorgfältig zu erforschen und damit das Risiko von Beschädigungen derselben zu vermeiden. Mithilfe maßstabgetreuer, 3D-gedruckter Replikate, die aus ähnlichen Werkstoffen wie ihre Originale bestehen, werden Kunstwerke auch haptisch erfahrbar.

WERTE ALLEN ZUGÄNGLICH MACHEN
Solche taktilen Objekte sind dann natürlich auch für blinde und sehbehinderte Menschen eine große Bereicherung. Das Museum PRADO in Madrid hat 2015 beispielsweise unter dem Motto „Hoy toca el Prado“ (Berühre den Prado) mit 3D-Druck-Technik Kopien alter Meisterwerke erstellt. Auf dem Weg, möglichst vielen Menschen, unabhängig vom persönlichen Museumsbesuch, Zugang zu den bildungsrelevanten Informationen zu ermöglichen sowie bei der Umsetzung der UN-Konvention zu den Rechten behinderter Menschen, kann die Einbindung der 3D-Daten in Online-Galerien unterstützend mitwirken. Kinder aus sozial benachteiligten Familien, denen ein Besuch im Museum aus Kostengründen nicht möglich ist, sollen von museumspädagogischen Programmen genauso profitieren können, wie Menschen mit kognitiven oder körperlichen Beeinträchtigungen. Ein weiterer, nicht unerheblicher Aspekt sind die zahlreichen, in den Archiven der Museen schlummernden Kunstwerke, die als Reproduktionen der Öffentlichkeit präsentiert werden können.

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